Warum ich mich wegen Streetspotr an die Ombudsstelle gewandt habe

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Thomas S.
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Re: Warum ich mich wegen Streetspotr an die Ombudsstelle gewandt habe

Beitrag von Thomas S. » 02 Sep 2019, 23:47

....fängt ja Ansich spannend an. Auf die Fortsetzung freue ich mich beinah. 👍

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mobilfoto
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Re: Warum ich mich wegen Streetspotr an die Ombudsstelle gewandt habe

Beitrag von mobilfoto » 03 Sep 2019, 17:58

Hallo,

die Ombudsstelle hat "entschieden", dass Streetspotr eine Entschädigung für nicht ausführbare Aufträge leisten muss. Dies kann vorkommen, wenn zB die Adresse falsch ist oder der Markt dauerhaft geschlossen ist.

Vorgeschichte:
Ich hatte im Juni einen Spot bei Streetspotr angenommen. Es handelte sich um einen Spot aus der Kampagne "Detail-Fotografie". Der Auftrag sollte mit 4,- € vergütet werden. Nachdem ich den Auftrag angenommen hatte und zu dem Markt gefahren bin, habe ich festgestellt, dass der Markt wegen Sanierung/Renovierung für mehrere Monate geschlossen ist. Er eröffnet laut einem Plakat erst im Jahr 2020 wieder.
In dem Auftrag habe ich die Situation fotografiert und im Text die Situation beschrieben.

Daraufhin erhielt ich keine Vergütung:
Streetspotr-Team hat geschrieben:Hallo mobilfoto,
dein kürzlich eingereichtes Ergebnis für den Spot Detail-Fotografie xxxxxxxx (#yyyyyyy) wurde akzeptiert.
Für diesen Spot hast du 20 StreetPoints erhalten.
Kommentar:
Hallo mobilfoto, vielen Dank! Du erhältst die Streetpoints. Viel Erfolg beim nächsten Spot!
Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg und Spaß beim Spot-en!
Liebe Grüße
Dein Streetspotr-Team
Ich fand das nicht in Ordnung, denn nach meinem Empfinden war schon die Fahrt zur angegebenen Adresse Teil des Auftrags.
Auch die Prüfung, ob der Markt an der Stelle vorhanden ist, und die (verlangte!) mit Foto dokumentierte Meldung, dass der Markt wegen Sanierung geschlossen ist und wann er wiedereröffnet, ist eine für Streetspotr wirtschaftlich verwertbare Informationen, z.B. für Folgeaufträge, zur Außendienststeuerung für den Auftraggeber etc.pp.

Streetspotr hat zunächst behauptet, meine Informationen über die Situation vor Ort wäre nicht verwertbar:
Streetspotr-Team hat geschrieben:Hallo mobilfoto,
vielen Dank für deine Nachricht.
Im Spot ist Folgendes zu lesen:
Beachte:
Solltest du nicht die geforderten Innenaufnahmen erstellen können, da die Bildaufnahme untersagt ist (stelle vor der Bildaufnahme immer sicher, dass dies nicht der Fall ist) oder der Laden nicht (mehr) vor Ort ist, erstelle bitte Außenaufnahmen der vorgefundenen Location. Da du in diesem Fall die für uns wichtigen Innenaufnahmen nicht erstellen konntest, können wir dich nicht mit dem ausgeschriebenen Euro-Betrag entlohnen. Als Dank für deine Mühe erhältst du aber zumindest die ausgewiesenen StreetPoints.

Dementsprechend ist die Vergütung korrekt vorgenommen worden. Wir verstehen deinen Ärger, jedoch sind die Informationen für uns nicht verwendbar.
Solltest du weitere Fragen haben, melde dich gerne erneut! :-)
Ich habe mir die Regelungen von Streetspotr darauf nochmal durchgelesen (kann ja sein, dass ich nicht auf dem neusten Stand war) und schrieb an den Support:
Hallo,
der zitierte Text trifft nicht auf die Situation zu.
Denn weder wurde mir die Bildaufnahme untersagt noch ist der Markt nicht mehr vor Ort. Vielmehr ist der Auftrag nicht durchführbar, weil der Markt derzeit saniert wird. Selbst wenn aus der zitierten Textpassage herausgelesen werden könnte, dass die Sanierung des Marktes einem der beiden Fälle "nicht mehr vor Ort" oder "untersagte Aufnahmen" gleichzustellen wäre, gilt aber folgendes:
Die Aussage "können wir dich nicht mit dem ausgeschriebenen Euro-Betrag entlohnen" ist nicht so zu verstehen, dass dann "gar keine Vergütung" zu zahlen wäre. Es könnte dann lediglich "nicht die ausgeschriebene" Vergütung gezahlt werden. Dagegen ist nichts einzuwenden, denn die volle ("ausgeschriebene") Vergütung beanspruche ich gar nicht. Ich verlange lediglich konkreten oder pauschalierten Aufwandsersatz für die Bemühung.
Mein Vorschlag lautet 2,00 Euro. Ich bitte um die Gutschrift.
Viele Grüße
mobilfoto
Damit konnte ich aber nicht durchdringen.

Zufällig entwickelte sich im Forum von Streetspotr, den sogenannten Streetnews, mal wieder eine Diskussion zwischen Usern über falsche Adressen, geschlossene Märkte etc. Daran beteiligten sich auch die Mitarbeiter von Streetspotr. Im Verlaufe dieser Diskussion stellte sich nach meiner Wahrnehmung heraus, dass Streetspotr selbst auch sehr gerne solche Adressleichen jeglicher Art verhindern würde, dass das manuelle Prüfen und Aussortieren aber sehr aufwändig wäre und dass man bereits mehrfach über verschiedene Softwarelösungen nachgedacht habe. Man sei deshalb, so eine Mitarbeiterin von Streetspotr, dankbar für jede Rückmeldung über einen geschlossenen Markt.
Ach?
Ich erinnere mich so daran, dass dann explizit gefragt wurde, ob Informationen über dauerhaft oder vorübergehend geschlossene Märkte für Streetspotr wertvoll seien und nach meiner Wahrnehmung hat Streetspotr dies dann bejaht.
Holla - das stand ja nun in deutlichem Widerspruch zu der obigen Antwort des Supports.
Und auch - aber das ist subjektiv - entgegen jeglicher wirtschaftlicher Vernunft und Lebenserfahrung.
Von den Diskussionsverläufen und Angaben der Streetspotr-Mitarbeiter zur wirtschaftlichen Verwertung von Geschlossen-Meldung habe ich einige Screenshots gemacht, die ich aber derzeit noch nicht hier zeigen will.

Ich habe die Informationen und die vorgebrachten Argumente aufbereitet und habe den Fall der Ombudsstelle gemeldet.
Die Schilderung und Begründung habe ich kurzgehalten:
Hat es schon einen Klärungsversuch mit der Plattform gegeben? -- Ja
Warum konnte mit der Plattform keine Lösung gefunden werden? -- Der Anbieter beruft sich auf seine Klausel, mit der er sich für die beiden Fälle a) Bildaufnahme untersagt und b) Laden nicht vor Ort von seiner Vergütungspflicht befreien will. Gleichzeitig jedoch fordert er für diese Fälle auch dann sehr wohl fotografischen Nachweis. Ich verlangte Vergütung von 50 Proz. mindestens jedoch 2 Euro als Aufwandsersatz.
Ich bin damit einverstanden, dass meine Angaben an die betreffende Plattform zur Klärung übermittelt werden -- Ja

Nach den Sommerferien hat die Ombudsstelle nun beraten und rät dazu, dass Streetspotr mir eine Aufwandentschädigung von 50 Prozent zahlt. In diesem Fall sind das 2 Euro, weil die ursprüngliche Vergütung bei 4 Euro gelegen hätte.

Weil das Ombudsverfahren ein anonymisiertes teilöffentliches Verfahren ist, gebe ich hier den Entscheidungstext wider:
Ombudsstelle hat geschrieben: An Beschwerdeführer und Beschwerdegegnerin:

Anregung

Die Ombudsstelle regt an, einen Teil der ausgelobten Vergütung – € 2,00 – zur Auszahlung zu bringen.

Zwar ist in den Auftragsbedingungen klar formuliert, dass die Vergütung nicht verdient ist, wenn die Innenaufnahmen nicht erstellt werden können, weil der Laden nicht (mehr) vor Ort oder vorübergehend, beispielsweis wegen Sanierungsarbeiten, geschlossen ist. Die Ombudsstelle gibt aber zu bedenken, dass im Hinblick auf die Grundsätze des Code of Conducts, die eine faire Bezahlung (Nr. 3) und Verlässlichkeit (Nr. 5) vorsehen, es unangemessen sein könnte, ausschließlich den Crowdworker mit dem Risiko, dass ein von einer Plattform ausgeschriebener Job objektiv und für jeden unerfüllbar ist, zu belasten. Dies gilt umso mehr, als die Plattform aus der Rückmeldung des Crowdworkers, eine Location sei nicht mehr / zur Zeit nicht vorhanden, auch einen Informationsnutzen zieht.

Gelegenheit zur Gegenäußerung, ob die Anregung der Ombudsstelle aufgegriffen wird, besteht bis zum 20. September 2019.

Ombudsstelle Code of Conduct für bezahltes Crowdworking
Damit folgt die Ombudsstelle in ihrer Tendenz dem Grundsatz des deutschen Rechts, dass erlittene Nachteile vom Verursacher auszugleichen sind.
Die oben genannten Formulierung nehme ich als untaugliche Versuche von Streetspotr wahr, sich der Aufwandsersatzpflicht zu entziehen.
Die von Streetspotr verwendeten Klauseln dürften wegen ihrer massenhaften Verwendung AGB-Charakter haben und wegen ihrer Unbestimmtheit und unangemessenen Benachteiligung unwirksam sein.
Ich fordere: Kein Auftrag unter 5 €!

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Chris S.
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Re: Warum ich mich wegen Streetspotr an die Ombudsstelle gewandt habe

Beitrag von Chris S. » 04 Sep 2019, 09:26

Bitte unbedingt informieren, ob sich Streetspotr an die Empfehlung gehalten hat.
Das wäre der Musterfall für alle!

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A.K.
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Re: Warum ich mich wegen Streetspotr an die Ombudsstelle gewandt habe

Beitrag von A.K. » 04 Sep 2019, 15:02

Man berät sich noch bei Streetspotr, aber ich denke, am Ende wird man der Empfehlung der Ombudsstelle folgen.
50 Prozent wird es aber nicht immer geben. Ich tippe mal auf Entschädigungen im Bereich 1€ bis 2€.

Als nächstes sollte man sich dann mal appJobber vornehmen. Die versuchen ja inzwischen auch gerne, sich um eine Entschädigung zu drücken und wollen, dass man geschlossene Läden über die "Job melden Funktion" mitteilt. Umsonst, versteht sich.

thedaydreamer2
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Re: Warum ich mich wegen Streetspotr an die Ombudsstelle gewandt habe

Beitrag von thedaydreamer2 » 07 Sep 2019, 15:20

Hallo Jungs ich möchte Euch mal ein Kompliment machen, dass ihr denen so auf den Sack geht. Kompliment!

Ich habe zwischenzeitlich resigniert, weil man mehr und mehr dort verarscht wird (sei es man drückt sich mit fadenscheinigen Ausreden um die Bezahlung oder auch das die Bezahlung von Jahr zu Jahr weniger wird für den gleichen Aufwand). Gerade bei Streetspotr ist es sehr ärgerlich, dass man teilweise Geld für Jobs investiert (Zeit oder Transport) und dann leider Pech gehabt hat, weil die Adresse alt ist und auch der Support einen null hilft und man alles über den Ombudsmann einklagen muss. Na dem Motto Du hast ja die bescheuerten Punkte, geh doch dafür tanken.

Ich würde Euch dafür sehr feiern, wenn die mal von ihrem hohen Ross runter kommen und man sicher gehen kann, dass egal welchen Job man annimmt zumindest seine eigenen Kosten zurückbekommt. Dann wäre ich auch vielleicht wieder am Start.

Klasse, dass ihr für uns alle unser Recht erstreitet. Vielen Dank!

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Re: Warum ich mich wegen Streetspotr an die Ombudsstelle gewandt habe

Beitrag von mobilfoto » 29 Sep 2019, 20:13

Die von der Ombudsstelle genannte Frist zur Rückmeldung war abgelaufen, ohne dass ich eine Rückmeldung von Streetspotr erhalten hatte.
Auf meine Nachfrage, ob die Entschädigung von 50% der Vergütung nun ausgezahlt würde, habe ich sofort das Geld erhalten. Dies allerdings mit dem sinngemäßen Hinweis, dass es sich hier um einen Sonderfall und Einzelfall handelt.

Fazit:
Sich wehren wirkt. Und Nachfragen und Nachhaken hilft. Von alleine und freiwillig kommt von Streetspotr leider nichts.
Ich fordere: Kein Auftrag unter 5 €!

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