Microjobbing und Steuern

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mobilfoto
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Microjobbing und Steuern

Beitrag von mobilfoto » 25 Aug 2016, 14:52

Ich habe einige der häufig gestellten Fragen mit ihren jeweiligen Antworten zusammengestellt.
Die individuelle, für Deinen Fall passende Steuerberatung ist in Deutschland nur bestimmten Berufsgruppen erlaubt. Dies sind zum Beispiel Steuerberater oder auch die Lohnsteuerhilfe. Deshalb sind die folgenden Fragen und ihre Antworten beispielhaft und generell gehalten und sollen nur einen groben Überblick verschaffen.

1. Muss ich meine Einnahmen aus Microjobbing irgendwo angeben?
Ja. Nach dem Ablauf eines Kalenderjahres musst Du eine Einkommensteuererklärung bei Deinem zuständigen Finanzamt abgeben. Zuständig ist das Finanzamt, in dessen Bezirk Du Deinen Wohnsitz hast. Das Angeben der Einkünfte bedeutet übrigens nicht zwangsläufig, dass Du davon Steuern zahlen musst. Aber Du darfst die Einkünfte keinesfalls verschweigen.

2. Wo trage ich in der Einkommensteuererklärung meine Einkünfte ein?
Nach meiner Auffassung fallen die Einkünfte aus Microjobbing unter die sogenannten "Sonstigen Einkünfte". Die Rechtsgrundlage dafür ist der § 22 Absatz 3 Einkommensteuergesetz (EStG). Eine eigene Einkunftsart "Microjobbing" gibt es im Gesetz nicht. Unter die "Sonstigen Einkünfte" fällt alles, was in keine der üblichen Einkunftskategorien passt.
Für die "Sonstigen Einkünfte" gibt es ein eigenes Zusatzformular, das Du zusammen mit dem Einkommensteuer-Hauptformular abgibst. Das Formular heißt "Anlage SO". Schaue unten bei Frage 4, wo Du dort etwas eintragen musst.

3. Muss ich von meinen Einnahmen aus Microjobbing Steuern bezahlen?
Das kommt drauf an. Und zwar einerseits darauf, was Du sonst noch so im Jahr für Einkünfte hast, also welcher Art und in welcher Höhe. Und andererseits natürlich darauf, wie hoch Deine Einkünfte aus Microjobbing sind.
Bei den "Sonstigen Einkünften" nach § 22 Abs. 3 EStG gibt es eine Freigrenze von 256 Euro. Freigrenze bedeutet, dass ein Betrag bis 255,99 Euro nicht versteuert werden muss. Er muss aber trotzdem angegeben werden! Über die Steuerfreiheit entscheidet das Finanzamt, nicht Du. Wird die Freigrenze überschritten, ist der gesamte Betrag steuerpflichtig und zwar ab dem ersten Euro. Es handelt sich also nicht um einen Freibetrag. Klingt so ähnlich, ist aber was anderes. Ein Freibetrag ist ein Sockelbetrag, der immer steuerfrei ist. Eine Freigrenze schaltet die steuerpflicht für die Einkommensart ein oder aus.
Beispiel 1: Du verdienst in einem Jahr 250 Euro mit Microjobbing. Der ganze Betrag von 250 Euro ist nach § 22 Abs 3 EStG steuerfrei, weil er weniger als 256 Euro beträgt.
Beispiel 2: Du verdienst in einem Jahr 300 Euro mit Microjobbing. Der ganze Betrag von 300 Euro ist nach § 22 Abs 3 EStG steuerpflichtig, weil die Freigrenze von 255,99 Euro überschritten wurde (Zitat Gesetz: "nicht weniger als 256 Euro").

4. Welche Zahlen muss ich dem Finanzamt angeben?
Zu versteuern - wenn dies der Fall ist - sind die Einkünfte. Das sind nicht die Einnahmen, auch wenn der Begriff ähnlich klingt. Die Einkünfte sind das, was "übrig bleibt", nachdem Du von Deinen Einnahmen Deine Ausgaben abgezogen hast.
Beispiel: Du erhältst in einem Kalenderjahr von diversen Anbietern insgesamt 700 Euro für Microjobbing. Damit Du das Microjobbing ausführen konntest, musstest Du einen Datentarif von monatlich 10 Euro hinzubuchen. Du bist auch oft mit dem Auto, dem Fahrrad oder dem ÖPNV zu diversen Supermärkten gefahren, um dort Deine Microjobs zu erledigen. Jeder gefahrene Kilometer - und zwar für Hin- und Rückfahrt - wird Dir vom Finanzamt mit pauschal 0,30 € anerkannt. Natürlich kann es auch sein, dass Du höhere oder niedrigere Ausgaben hattest.
Von den genannten 700 Euro Einnahmen ziehst Du also 12 Monate Datentarif zu 10 Euro (120 Euro) ab. Du ermittelst weiterhin, wieviele Kilometer Du für die Erledigung der Aufträge zurückgelegt hast. Nehmen wir an, dies seien 350 Kilometer in dem Jahr gewesen. Dafür sind also 350 km x 0,30 € = 105 Euro Fahrtkosten angefallen. Auch diese ziehst Du von den Einnahmen ab. Insgesamt bleiben von den 700 Euro Einnahmen abzgl. Datentarif 120 Euro und abzgl. Fahrtkosten 105 Euro noch 475 Euro übrig. Diese 475 Euro sind die Einkünfte, die die Grundlage für die Versteuerung bilden.
In dem Formular "Anlage SO" (siehe oben Frage 2) trägst Du diese Werte auf der ersten Seite in den Zeilen 7 bis 12 ein. In Zeile 7 trägst Du ein "[Einnahmen aus..] Microjobbing" und daneben den Wert in Euro. Ohne Nachkommastellen, diese darfst Du abschneiden, also auf volle Euro abrunden. In Zeile 10 trägst Du den Wert nochmals ein, denn dies ist eine Summenzeile. In Zeile 11 trägst Du den Wert aller Deiner Ausgaben ein. In dem vorherigen Beispiel also 225 Euro (Summe aus 120 + 105). Auch hier wieder ohne Nachkommastellen, diese darfst Du abschneiden, also auf volle Euro aufrunden. Die Differenz zwischen der Einnahme und der Ausgabe trägst Du in Zeile 12 ein. Das war es.

5. Was ist mit Nachweisen?
Grundsätzlich musst Du alle Einnahmen und Ausgaben nachweisen. Manche Anbieter senden Dir eine Gutschrift für jede Auszahlung oder stellen Dir diese auf einem Webportal bereit. Du solltest Dir diese sicher abspeichern, ggf. sogar ausdrucken. Für diejenigen Anbieter, die Dir keine Belege erstellen, musst Du den Nachweis über die Einnahmen mit einem Ausdruck Deines PayPal-Kontos oder Bankkontos belegen, je nachdem wo die Einnahmen gebucht wurden.
Für die Ausgaben gilt das gleiche. Der Idealfall ist eine sauber geführte Liste mit allen Jobs, deren Adressen und den zugehörigen Ausgaben wie z.B. Fahrtkosten. Versetze Dich einfach in die Lage des Finanzamtsmitarbeiters und überlege wolhlwollend, welche Unterlagen DU sehen müsstest, um die Angaben überprüfen zu können. Die Nachweise müssen nicht unbedingt mit der Einkommensteuererklärung abgegeben werden, aber für Rückfragen bereit gehalten werden. Das Finanzamt ist da oft pragmatisch: Für Kleinbeträge wird nicht viel Aufwand gemacht.
Hat Dein Finanzamt den Einkommensteuerbescheid erstellt und geht er für Dich in Ordnung, können die Belege meist nach 30 Tagen entsorgt werden, wenn Du keinen Einspruch einlegst und der Steuerbescheid nach 30 Tagen bestandskräftig wird.
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Sascha
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Re: Microjobbing und Steuern

Beitrag von Sascha » 25 Aug 2016, 21:38

Danke für diese Top Zusammenfassung.

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Re: Microjobbing und Steuern

Beitrag von crowdguru » 26 Aug 2016, 01:59

Eine Anmerkung hätte ich da noch:
Sofern man z.B. noch Schüler oder Student ist und weniger als den Grundfreibetrag im Jahr an Einkommen (inkl. Microjobbing) hat, so ist der gesamte Verdienst steuerfrei.
Damit man bspw. keine Abzüge auf Kapitalerträge bei Banken bekommt (Abgeltungsteuer) kann man sich beim Finanzamt für jeweils drei Jahre eine Nichtveranlagungsbescheinung ausstellen lassen. Diese wird dann ausgestellt, wenn das voraussichtliche Jahreseinkommen unterhalb des Grundfreibetrags von derzeit 8.652 Euro liegt. Übersteigt das Jahreseinkommen in einem Jahr diese Grenze, so ist die NV Bescheinigung zurückzugeben und man muss wieder Einkommensteuer für den über dem Existenzminimum (Grundfreibetrag) liegenden Betrag bezahlen.

mrspoesie123
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Re: Microjobbing und Steuern

Beitrag von mrspoesie123 » 02 Dez 2016, 22:39

Hey ihr Lieben, ich bin ein Microjobbing-Neuling.

Ich mache 3 Apps nebenbei: Streetspotr, ShopScout und AppJobber !
Natürlich will ich nicht illegal spotten und mich daher gleich zum Thema Steuern informiert.

Ich bin noch Studentin (fast noch 1 Jahr). Jetzt sehe ich ich kann gem. § 22 Nr. 3 EStG nur 255,99 Euro dazuverdienen ehe es versteurt wird.
Stimmt das ?
Denn mein Vorredner hat gepostet dass dies für Studenten und Auszubildende nicht unbedingt sein muss (soweit ich das verstanden habe...?).
Kann ich mich davon freistellen lassen und mehr als 256 Euro dazuverdienen?
Und wo/wie zeige ich meine Nebeneinkunft durch Microjobbing an ? Ist das ein arg kompliziertes Prozedere?

Liebe Grüße :)

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Re: Microjobbing und Steuern

Beitrag von mobilfoto » 03 Dez 2016, 13:23

Hallo und willkommen im Forum! :)

Die Einkünfte aus dem Microjobbing (also die Einnahmen nach dem Abzug der Ausgaben) bilden zusammen mit anderen Einkünften (z.B. Einkünfte aus einem Anstellungsverhältnis, Einkünfte aus einer Gewerbetätigkeit etc.pp) den Gesamtbetrag der Einkünfte. Sie können also nicht isoliert betrachtet werden. Hast Du noch andere Einkünfte oder - etwas pragmatischer formuliert - wovon lebst Du?

Für die gesamten Einkünfte in einem Kalenderjahr gibt es einen sogenannten Grundfreibetrag. Das ist quasi ein Sockelbetrag an Einkünften, der jedem Bürger zur Existenzsicherung steuerfrei zugestanden wird. Bei steuertipps.de (https://www.steuertipps.de/lexikon/g/grundfreibetrag) gibt es eine gute Übersicht. Derzeit sind es 8.652 Euro für das Kalenderjahr 2016.

Wenn Du zum Beispiel keine weiteren Einkünfte hast, weil Du vielleicht bei Deinen Eltern lebst und Dein Lebensunterhalt durch diese bestritten wird, und die Einkünfte aus Microjobbing Deine einzigen Einkünfte sind, wirst Du diesen Grundfreibetrag von 8.652 Euro vermutlich nicht überschreiten. Das würde bedeuten, es fällt keine Steuer an.
Unabhängig davon besteht jedoch die Pflicht, die erzielten Einkünfte dem Finanzamt mitzuteilen. Das geschieht wie oben in der FAQ beschrieben.

Steuerlich gesehen gibt es keine Grenze des Verdienstes. Im Gegenteil, das Finanzamt und damit die Bundesrepublik Deutschland dürften sich freuen, wenn Du viel verdienst und einen Teil davon als Steuer für die Aufgaben des Gemeinwohls abgibst. :)

Der von Dir erwähnte Betrag von 256 Euro ist eine Freigrenze speziell für diese Einkommensart, zu der Microjobbing derzeit gezählt wird. Das bedeutet, dass die Einkünfte (also die Einnahmen nach dem Abzug der Ausgaben) aus Microjobbing immer steuerfrei sind, solange sie unter 256 Euro bleiben. Und zwar unabhängig davon, wieviel Du sonst noch so in Deinem Leben aus eventuell anderen Tätigkeiten verdienst.

Wenn diese anderen Tätigkeiten nicht existieren und Du ausschließlich in einem Kalenderjahr nur Microjobbing-Einkünfte hast, ist diese Grenze für Dich vermutlich uninteressant. Denn selbst bei Überschreiten der Grenze von 256 Euro fällt bei Dir keine Steuer an, weil die Jahresgrenze aller Einkünfte von 8.652 Euro nicht überschritten wird.

Sollten Deine Eltern für Dich noch Kindergeld erhalten, gibt es speziell zum Kindergeld noch etwas zu beachten. Das Kindergeld wird nur gezahlt, solange diese Tätigkeit aus Microjobbing und eventuelle andere Tätigkeiten, die neben dem Studium ausgeübt werden, "unschädlich" sind. Also nicht zeitlich über das Studium überwiegen. Als Fautstregel gelten bis zu 20 Stunden in der Woche im Durchschnitt als unschädlich. Hier steht mehr: http://www.kindergeld.org/kindergeld-fu ... inder.html

Viele Grüße und viel Spaß bei ShopScout und Appjobber! Probiere auch Roamler aus!
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mrspoesie123
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Re: Microjobbing und Steuern

Beitrag von mrspoesie123 » 05 Dez 2016, 16:08

Wow ! Danke für deine umfassende Antwort. Ich war schon ganz verzweifelt weil ich dachte, dass ich nur 256 Euro im Jahr verdienen darf ohne zu versteuern :).
Ich bin Studentin und bekomme kein Bafög, d.h. ich lebe ausschließlich von meinen Eltern (für ca. ein Jahr noch).

Ich werde meine Tätigkeit anzeigen.
Danke vielmals !

Liebe Grüße :)

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Plee G.
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Microjobbing und Rente

Beitrag von Plee G. » 05 Dez 2016, 17:55

Kurze Frage.

Ändern diese Abgaben oder auch diese elende Kapitalertragssteuer (bei Aktien) was an der Rente? Also dass man mehr bekommt weil mehr versteuert wurde?
Don't forget the G to se Plee.

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Re: Microjobbing und Steuern

Beitrag von mobilfoto » 06 Dez 2016, 08:32

In Deutschland sind das Steuersystem und die Sozialversicherung getrennt. Es gibt also wegen Steuerzahlungen keine höhere Rente. Du kannst aber eine zusätzliche private Altersvorsorge treffen und einen Teil Deiner Zusatzeinkünfte ansparen.
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Jessica
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Re: Microjobbing und Steuern

Beitrag von Jessica » 11 Jan 2017, 08:44

Hallo,
ich habe Ende 2015 mit Microjobbing angefangen. Brav beim Finanzamt alles angegeben (Formular SO). Einkommen abzüglich Kosten. Dadurch blieben nur ca. 20 Euro als Einkünfte übrig. Im gleichen Jahr bekam ich außer kurz Lohn auch noch Arbeitslosengeld. Jetzt bekomme ich vom Finanzamt die Aufforderung einen Fragebogen auszufüllen für die "Aufnahme einer gewerblichen, selbständigen (freiberuflichen) oder .... Tätigkeit...
In 2016 war ich aktiver als Microjobber. Hab' also bisschen mehr als 300 Euro verdient, wobei ich die Kosten bisher nur überschlagen habe.
Inzwischen habe ich einen Minijob und bekomme kein Arbeitslosengeld mehr.

Muss ich mir jetzt erst von der Gemeinde einen Gewerbeschein holen? Oder soll ich mich da erst beim Finanzamt erkundigen?
Was hat das für Vor- oder Nachteile mit dem Gewerbeschein? Was sollte ich beachten?
Wer hat da Erfahrungen?

Vielen Dank für Eure Hilfe.
Gruß
Jessica
Zuletzt geändert von Jessica am 11 Jan 2017, 23:41, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Microjobbing und Steuern

Beitrag von mobilfoto » 11 Jan 2017, 21:44

Jessica hat geschrieben:ich habe Ende 2015 mit Microjobbing angefangen. Brav beim Finanzamt alles angegeben (Formular SO). Einkommen abzüglich Kosten. Dadurch blieben nur ca. 20 Euro als Einkünfte übrig. Im gleichen Jahr bekam ich außer kurz Lohn auch noch Arbeitslosengeld. Jetzt bekomme ich vom Finanzamt die Aufforderung einen Fragebogen auszufüllen für die "Aufnahme einer gewerblichen, selbständigen (freiberuflichen) oder .... Tätigkeit...
In 2016 war ich aktiver als Microjobber. Hab' also bisschen mehr als 300 Euro verdient, wobei ich die Kosten bisher nur überschlagen habe.
Inzwischen habe ich einen Minijob und bekomme kein Arbeitslosengeld mehr?
Muss ich mir jetzt erst von der Gemeinde einen Gewerbeschein holen? Oder soll ich mich da erst beim Finanzamt erkundigen?
Was hat das für Vor- oder Nachteile mit dem Gewerbeschein? Was sollte ich beachten?
Wer hat da Erfahrungen?
Hallo Jessica,

das gleiche Problem habe ich auch gerade. Ich habe Mitte 2015 mit dem Microjobbing angefangen und am Jahresende waren es ca. 250 EUR, die nach Abzug der Kosten übrig blieben. Als der Steuerbescheid für 2015 kam, waren die Einkünfte nicht im Bereich SO zu finden, sondern als "Einkünfte aus Gewerbebetrieb". Im Erläuterungstext des Steuerbescheids stand, ich müsse ein Gewerbe bei der Stadtverwaltung anmelden. Dieser Fragebogen war bei mir jedoch nicht dabei. Normalerweise kommt der nur, wenn man ein Gewerbe anmeldet. Dann bekommt man den direkt von der Gewerbemeldestelle in die Hand gedrückt oder er kommt kurze Zeit später per Post vom Finanzamt.

Gegen diese Klassifizierung der Einkünfte als Gewerbebetrieb habe ich Einspruch eingelegt. Ich habe dies damit begründet, dass die Tätigkeit des Microjobbing eher dem Bereich des Hobbys zuzuordnen ist und ich nicht die Absicht habe, Gewinn zu erzielen. Der Gewinn ist nur entstanden, weil die Aufwandsentschädigungen ausnahmsweise die Kosten überstiegen. Ich rechne dem Einspruch aber keine Chancen aus. Den Einspruchsbescheid warte ich noch ab, aber dann werde ich wohl zum 01.01.2017 rückwirkend ein nebenberufliches Kleingewerbe anmelden.

Die Interessen des Finanzamts und der Gewerbemeldebehörde sind übrigens zwei getrennte Welten. Das Finanzamt interessiert sich nur für die Versteuerung der Einnahmen. Die nehmen, etwas salopp gesagt, alles. Auch Einnahmen aus Drogenhandel und Bestechungsgeldern müsste man knochentrocken versteuern. Bei dem Ausfüllen des Fragebogens erscheint mir wichtig, das Gewerbe nur nebenberuflich auszuüben und die sog. Kleinunternehmerregelung (http://www.kleinunternehmer.de/index.htm) in Anspruch zu nehmen. Also NICHT die Variante mit der Umsatzsteuer.

Die Gewerbemeldebehörde hätte hingegen gerne eine Anmeldegebühr für das Gewerbe (meist 20 Euro) und gibt die Daten an die IHK weiter. Dort ist jeder Gewerbetreibende Pflichtmitglied. Beiträge fallen für Kleinunternehmen in der Regel nicht an (http://www.kleinunternehmerportal.de/in ... nd-beitrag).

Die Gewerbeanmeldung hat auch Vorteile. Kosten, die wegen der Gewerbeeinnahmen anfallen, sind abzugsfähig. Das können sein Bürobedarf wie Papier und Tinte/Toner, die Telefon- und Internetkosten, ein neuer PC oder ein Notebook oder ein Smartphone etc.
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