Microjobbing und Steuern

Fleißiger Romler
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Re: Microjobbing und Steuern

Beitrag von Fleißiger Romler » 19 Feb 2019, 11:02

Hallo zusammen,
da ich die Tage die Steuern machen will, sind bei Ausfüllen des Formulars EÜR doch noch ein zwei Fragen aufgetreten. Ich hoffe Ihr könnt mir weiter helfen.

Folgendes müssen "wir" ausfüllen (Blatt 2018):
5 Art des Betriebs: Microjobbing IT Datenerfassung
6 Rechtsform: keine ? (Da ich kein Gewerbe anmelden musste, laut Aussage meiner Stadt)
7 Einkunftsart: müsste dann 3 sein
8 =1

Gewinnermittlung:
11 Betriebseinnahmen Kleinunternehmer: = Gesamte Einnahmen aller Apps addiert
12-21 ?? = Dieses Jahr Fragte das Finanzamt, ob bei mir Umsatzsteuer angefallen ist. Natürlich nicht, da wir nicht handeln. Muss ich das irgendwo eintragen? Oder reicht der übertrag von 11 nach 22
22 Summe Betriebseinnahmen

Betriebsausgaben
39 Aufwendungen für Telekommunikation: Handy und Datenkarte oder Anteil des Handyvertrags
56 Sonstige beschränkt Abziehbare Betriebsausgeben: Sind das die Materialkosten Büro?? (Drucker, Papier, Heft, Stifte etc.)
62 Fahrtkosten für Wege ... : km x 0,30 Euro

Wo kommen die Wareneinkäufe rein, auch 56?

Also ergeben sich bei mir die Fragen unter:
Frage 1: 6 Rechtsform + 7 Einkunftsart
Frage 2: 12-21 Thema Umsatzsteuer
Frage 3: Zeile 56 sind das Materialkosten und wo kommen Wareneinkäufe rein

Ich hoffe Ihr könnt mir weiter helfen. Danke!

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mobilfoto
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Re: Microjobbing und Steuern

Beitrag von mobilfoto » 19 Feb 2019, 12:41

Fleißiger Romler hat geschrieben:
19 Feb 2019, 11:02
6 Rechtsform: keine ? (Da ich kein Gewerbe anmelden musste, laut Aussage meiner Stadt)
Entweder das Feld leer lassen oder "Sonstige selbständig tätige Person" eintragen

7 Einkunftsart: müsste dann 3 sein
Jepp.
11 Betriebseinnahmen Kleinunternehmer: = Gesamte Einnahmen aller Apps addiert
12-21 ?? = Dieses Jahr Fragte das Finanzamt, ob bei mir Umsatzsteuer angefallen ist. Natürlich nicht, da wir nicht handeln. Muss ich das irgendwo eintragen? Oder reicht der übertrag von 11 nach 22
Ja, das Ausfüllen der Zeile 11 und der Übertrag der Zahl nach 22 reicht bei mir. Ich fasse dort alle Vergütungen aller Anbieter zusammen, egal aus welchem Grund sie gezahlt werden. Darin sind auch die Erstattungen für meine Einkäufe enthalten.
Eine Umsatzsteuerrechnung findet nicht statt, ich verwende die Zahlen "brutto für netto" so, wie sie anfallen.

Betriebsausgaben
39 Aufwendungen für Telekommunikation: Handy und Datenkarte oder Anteil des Handyvertrags
56 Sonstige beschränkt Abziehbare Betriebsausgeben: Sind das die Materialkosten Büro?? (Drucker, Papier, Heft, Stifte etc.)
62 Fahrtkosten für Wege ... : km x 0,30 Euro
Wo kommen die Wareneinkäufe rein, auch 56?
56 "beschränkt Abziehbare Betriebsausgeben": hier kommt nichts rein.
Bürobedarf kommt in Zeile 25, ebenso dortrein auch die verauslagten Wareneinkäufe.
Kilometergeld für die Fahrten mit dem (ansonsten) privaten Kfz kommen in Zeile 61.


Das Problem ist, dass sich von Jahr zu Jahr durch Neudesign des Formulars schonmal die Zeilennummer ändern können.
Ich fordere: Kein Auftrag unter 5 €!

Fleißiger Romler
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Re: Microjobbing und Steuern

Beitrag von Fleißiger Romler » 19 Feb 2019, 14:03

Danke für die schnelle Antwort. :!: Wird sicherlich auch Anderen helfen (hoffe ich). Die Anlage EÜR ist ja seit 2017 verpflichtend. Das formlose Blatt darf ja nicht mehr genutzt werden.

Shadow555
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Re: Microjobbing und Steuern

Beitrag von Shadow555 » 02 Jul 2019, 17:53

Hallo, EÜR muss man doch nur machen, wenn man ein Gewerbe hat, bzw selbstständig ist.

Mir geht es eher um eine ganz normale Steuerklärung die man als Angestellter machen kann.
Microjobs sind doch dann bei der Anlage Sonderausgaben anzugeben.
Aber müsste man dann nicht eigentlich auch Fahrtkosten etc gegenrechnen, wenn man das schon angibt und dann bleibt ja auch nicht mehr viel übrig an Gewinn... Gerade wenn man Spots gemacht hat, die weiter weg sind und hohe Fahrtkosten hat.

Oder zählen die Einnahmen die man bei Microjobs bekommt eigetnlich nur als Aufwandsentschädigung und müssen deshalb nciht unbedingt bei der Steuer angegeben werden.

Das nächste Problem ist ja, dass man nicht unbedingt bei allen Apps nachweise bekommtn, wie viel und was man in einem Jahr erledigt hat.

Ich find das alles echt kompliziert anzgeben ^^
Zuletzt geändert von Shadow555 am 02 Jul 2019, 22:32, insgesamt 1-mal geändert.

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Chris S.
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Re: Microjobbing und Steuern

Beitrag von Chris S. » 02 Jul 2019, 20:36

@Shadow555

Lese dir den gesamten Thread (Ja, alle 13 Seiten) durch.
Es sind all deine Fragen bereits beantwortet worden.

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mobilfoto
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Re: Microjobbing und Steuern

Beitrag von mobilfoto » 03 Jul 2019, 12:26

Shadow555 hat geschrieben:
02 Jul 2019, 17:53
Hallo, EÜR muss man doch nur machen, wenn man ein Gewerbe hat, bzw selbstständig ist.
Im mittlerweile 5. Jahr Microjobbing und nach der 3. Steuererklärung habe ich inzwischen das Gefühl, dass die Finanzämter das unterschiedlich handhaben. Aber es gibt eine starke Tendenz, dass regelmäßiges (!) Microjobbing als gewerbliche Tätigkeit anzusehen ist.
Ausschlaggebend im Sinne von "Ursache und Folge" ist dabei der Geldfluß: WEIL man Einnahmen aus regelmäßigem Microjobbing hat, ist man gewerblich tätig. WEIL man gewerblich tätig ist, muss man ein Gewerbe anmelden. Und WEIL man gewerblich tätig ist, muss man auch eine Steuererklärung abgeben.
Das bedeutet, die Gewerbeanmeldung und die Steuererklärung sind Folgen der Tätigkeit und der Einnahmen.
Für das Finanzamt hat es übrigens keine Bedeutung, ob man tatsächlich ein Gewerbe anmeldet oder nicht. Das Finanzamt interessiert sich nur für die Einnahmen.
Mir geht es eher um eine ganz normale Steuerklärung die man als Angestellter machen kann.
In dem Moment, wo regelmäßige Einnahmen aus Microjobbing erzielt werden (die Höhe spielt dabei keine Rolle), wandelt sich das "kann" zum "muss". Denn bei regelmäßigen Einnahmen aus Microjobbing wird man (ggf. auch, also zusätzlich zum Angestellten) zum Gewerbetreibenden. Und bei Einkünften aus Gewerbebetrieb MUSS man für jedes Jahr eine Steuererklärung abgeben.
Genau genommen sind es sogar zwei Steuererklärungen:
Die Einkommensteuererklärung. Mit ihr werden dem Finanzamt die Einkünften aus Gewerbebetrieb mitgeteilt (ggf. neben allem anderen, was man noch so hat).
Und die Umsatzsteuererklärung. Mit ihr wird die Umsatzsteuer mitgeteilt oder - im Fall von Kleingewerben - die Höhe der jährlichen Einkünfte. Das darf man nicht unterschätzen! Gemäß Umsatzsteuergesetz sind (vereinfach gesagt) in allen Einkünften aus Microjobbing 19% Umsatzsteuer enthalten. Als normaler Gewerbetreibender muss man diese 19% Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen. Lediglich als Kleingewerbetreibender wird darauf verzichtet und man darf die Einnahme in voller Höhe behalten.
Deshalb halte ich die Gewerbeanmeldung für so wichtig! Denn nur dort und zusammen mit dem zugehörigen Fragebogen für das Finanzamt kreuzt man an, dass man ein Kleingewerbe betreibt und auf die Erhebung der Umsatzsteuer verzichtet. Verzichtet man nicht oder meldet man schlicht kein Gewerbe an und tut auch sonst nichts, wäre das ggf. eine Steuerhinterziehung und das Finanzamt kann zusätzlich zu einer strafrechtlichen Verfolgung die Steuern für die letzten 10 Jahre fordern.

Nochmal als Einschätzung:
Das Microjobbing ist mittlerweile den Kinderschuhe und der Niedlichkeit der Startups entwachsen! Die Firmen geben viel Geld aus (die Konzerne als Auftraggeber, die Agenturen als Anbieter von Microjobbing etc) und setzen dieses Geld als Betriebsausgabe ab. Das mindert deren Steuern. Unter dem Deckmäntelchen des "Taschengelds im Vorbeigehen" (Zitat Streetspotr) werden diese steuermindernden Betriebsausgaben an ahnungslose Geringverdiener verteilt. Denen nicht bewusst ist, dass sie per gesetzlicher Definition Gewerbetreibende sind mit allen zugehörigen steuerlichen Verpflichtungen und dass ihnen - entsprechende Steuerzahlung vorausgesetzt - vom kargen Einkommen am Ende des Jahres noch weniger übrigbleibt als ohneschon nur gezahlt wird.

Und es gibt noch weitere denkbare Konstellationen außer der Steuer und dem Finanzamt, bei denen das vermeintlich harmlose "Microjobbing-Taschengeld" zu bösen Überraschungen führen kann: Wer noch Schüler oder in Ausbildung ist und Kindergeld erhält, darf nicht beliebig hinzuverdienen. Es droht ggf. die Rückzahlung des Kindergelds für ein ganzes Jahr. Wer BAFöG erhält, hat ebenfalls Hinzuverdienstgrenzen zu beachten, ebenso beim ALG I, beim ALG 2, bei der Rente, beim Wohngeld etc. pp.
Wer eine dieser Leistungen bezieht und das Einkommen aus Microjobbing nicht angibt, begeht in der Regel eine Ordnungswidrigkeit mit der Folge einer Geldbuße, Rückzahlung etc.

Ins Fäustchen lachen sich dagegen die Konzerne und Herstellerunternehmen. Sie erhalten wertvollste Informationen und umfangreiche Daten zu sehr geringen Kosten.
Mit in die Verantwortung nehmen würde ich die Agenturen, denn sie klären die Microjobber in der Regel gar nicht über die "Nebenwirkungen" eines regelmäßigen Microjobbings auf. Und die Agenturen wollen sehr wohl regelmäßige Teilnahme! Der "spontane und sporadische Job im Vorbeigehen" ist eine Legende, eine Miese Ausrede. Die Agenturen wollen sich damit aus der Verantwortung herausreden. Denn von der Regelmäßigkeit der Aufträge leben sie und warum würde es sonst die ganze Gamification mit Punkten, Highscores und Abzeichen geben, wenn sie nicht dazu dienen soll, die Microjobber bei der Stange zu halten?

So, genug der Sozialkritik ;) Weiter geht's.

Microjobs sind doch dann bei der Anlage Sonderausgaben anzugeben.
Die Einnahmen und die Ausgaben des Microjobbings sind in der Anlage EÜR (Einnahmen-Überschuss-Rechnung) zu erfassen. Sonderausgaben(!) sind etwas ganze anderes, zB Versicherungen und sowas.
Aber müsste man dann nicht eigentlich auch Fahrtkosten etc gegenrechnen, wenn man das schon angibt und dann bleibt ja auch nicht mehr viel übrig an Gewinn... Gerade wenn man Spots gemacht hat, die weiter weg sind und hohe Fahrtkosten hat.
Du hast es erfasst. :) Microjobbing ist mies bezahlt, deckt kaum die Kosten und wenn man es mal richtig durchrechnet ist es frustrierend und macht wütend auf die Agenturen, die nur lächerliche Kleinbeträge für teilweise anstrengende Arbeit bezahlen.
Und ja, den Einnahmen stehen diese Ausgaben gegenüber. Kilometergeld, Handykosten, Telefonkosten, ggf Kosten für Porto, Papier, Stifte etc.

Oder zählen die Einnahmen die man bei Microjobs bekommt eigetnlich nur als Aufwandsentschädigung und müssen deshalb nciht unbedingt bei der Steuer angegeben werden.
Die Einnahmen müssen nach meiner Auffassung zwingend bei der Steuererklärung angegeben werden, weil man ansonsten eine Steuerhinterziehung betreibt und sich strafbar machen könnte.

Das nächste Problem ist ja, dass man nicht unbedingt bei allen Apps nachweise bekommtn, wie viel und was man in einem Jahr erledigt hat.
Ja, das ist problematisch. Allerdings ist es leider DEIN Problem. Denn das Finanzamt sieht deine Einnahmen auf dem Girokonto und auf dem PayPal-Konto. Der Nachweis, welche Kosten du hattest, ist deine Sache. Deshalb bieten auch die wenigsten Anbieter das an. Es ist ihnen total egal. Denn sie haben keinen Vorteil davon, nur Kosten für die Programmierung. Die entstehenden Probleme liegen ausschließlich in deinem Bereich.
Auch ich finde es unfair, dass die Anbieter größtenteils keine qualifizierten Nachweise oder anderen Belege ausstellen. Ich finde, das sollte in den Code of Condcut, die Selbstverplichtung für Anbieter, als Verpflichtung aufgenommen werden.
Solange muss sich jeder Microjobber selbst Notizen machen. Ich zB pflege meinen Google Kalender und trage für das Microjobbing ein, wann ich wohin gefahren bin und warum und wieviel km ich verfahren habe. Anfangs war es nervig, inzwischen ist es Routine.

Ich find das alles echt kompliziert anzgeben ^^
Das liegt daran, dass die Regeln rund um das Microjobbing im Grunde dieselben sind, wie sie auch für einen normalen Gewerbetreibenden gelten. Es kommt auf die Höhe der erhaltenen Einnahmen nicht an. Bei sehr niedrigen Einnahmen wie beim Microjobbing typisch kommt dann schnell die Idee auf, "das lohnt nicht den Aufwand". Was im Prinzip richtig ist. Ein normaler Gewerbetreibender mit Laden, Firma etc hat in der Regel einen Steuerberater. Das dürfte beim Microjobbing unmöglich sein zu zahlen.

Was wiederum entlarvend ist, wie schlecht hier eigentlich wertvolle Arbeit bezahlt wird!
Ich fordere: Kein Auftrag unter 5 €!

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Chris S.
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Re: Microjobbing und Steuern

Beitrag von Chris S. » 03 Jul 2019, 13:13

@Mobilfoto

Der Satz "Das Finanzamt sieht deine Einnahmen auf dem Girokonto & Paypalkonto" ist in meinen Augen nicht richtig.
Das FA hat keinen Zugriff bzw. Einsicht auf Konten.

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Re: Microjobbing und Steuern

Beitrag von mobilfoto » 03 Jul 2019, 13:52

Chris S. hat geschrieben:
03 Jul 2019, 13:13
Der Satz "Das Finanzamt sieht deine Einnahmen auf dem Girokonto & Paypalkonto" ist in meinen Augen nicht richtig.
Das FA hat keinen Zugriff bzw. Einsicht auf Konten.
Ich meinte das auch nicht "online". Sondern die Belege, die man ohne weitere Mühe vorlegen kann, sind nur die Kontoauszüge mit den Einnahmebeträgen. Wenn man nichts tut, bleibt es bei den Einnahmen als Gewinn.
"Entlastende" Nachweise für die Ausgaben, um den Gewinn zu senken und ggf. Steuern zu sparen, muss man sich selbst erstellen bzw. diese beschaffen und begründen. Bei den Einnahmen bedarf es keiner Begründung, die erkennt das Finanzamt von alleine an :lol:
Ich fordere: Kein Auftrag unter 5 €!

Shadow555
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Re: Microjobbing und Steuern

Beitrag von Shadow555 » 04 Jul 2019, 15:33

mobilfoto hat geschrieben:
03 Jul 2019, 12:26
Shadow555 hat geschrieben:
02 Jul 2019, 17:53
Hallo, EÜR muss man doch nur machen, wenn man ein Gewerbe hat, bzw selbstständig ist.
Im mittlerweile 5. Jahr Microjobbing und nach der 3. Steuererklärung habe ich inzwischen das Gefühl, dass die Finanzämter das unterschiedlich handhaben. Aber es gibt eine starke Tendenz, dass regelmäßiges (!) Microjobbing als gewerbliche Tätigkeit anzusehen ist.
Ausschlaggebend im Sinne von "Ursache und Folge" ist dabei der Geldfluß: WEIL man Einnahmen aus regelmäßigem Microjobbing hat, ist man gewerblich tätig. WEIL man gewerblich tätig ist, muss man ein Gewerbe anmelden. Und WEIL man gewerblich tätig ist, muss man auch eine Steuererklärung abgeben.
Das bedeutet, die Gewerbeanmeldung und die Steuererklärung sind Folgen der Tätigkeit und der Einnahmen.
Für das Finanzamt hat es übrigens keine Bedeutung, ob man tatsächlich ein Gewerbe anmeldet oder nicht. Das Finanzamt interessiert sich nur für die Einnahmen.
Mir geht es eher um eine ganz normale Steuerklärung die man als Angestellter machen kann.
In dem Moment, wo regelmäßige Einnahmen aus Microjobbing erzielt werden (die Höhe spielt dabei keine Rolle), wandelt sich das "kann" zum "muss". Denn bei regelmäßigen Einnahmen aus Microjobbing wird man (ggf. auch, also zusätzlich zum Angestellten) zum Gewerbetreibenden. Und bei Einkünften aus Gewerbebetrieb MUSS man für jedes Jahr eine Steuererklärung abgeben.
Genau genommen sind es sogar zwei Steuererklärungen:
Die Einkommensteuererklärung. Mit ihr werden dem Finanzamt die Einkünften aus Gewerbebetrieb mitgeteilt (ggf. neben allem anderen, was man noch so hat).
Und die Umsatzsteuererklärung. Mit ihr wird die Umsatzsteuer mitgeteilt oder - im Fall von Kleingewerben - die Höhe der jährlichen Einkünfte. Das darf man nicht unterschätzen! Gemäß Umsatzsteuergesetz sind (vereinfach gesagt) in allen Einkünften aus Microjobbing 19% Umsatzsteuer enthalten. Als normaler Gewerbetreibender muss man diese 19% Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen. Lediglich als Kleingewerbetreibender wird darauf verzichtet und man darf die Einnahme in voller Höhe behalten.
Deshalb halte ich die Gewerbeanmeldung für so wichtig! Denn nur dort und zusammen mit dem zugehörigen Fragebogen für das Finanzamt kreuzt man an, dass man ein Kleingewerbe betreibt und auf die Erhebung der Umsatzsteuer verzichtet. Verzichtet man nicht oder meldet man schlicht kein Gewerbe an und tut auch sonst nichts, wäre das ggf. eine Steuerhinterziehung und das Finanzamt kann zusätzlich zu einer strafrechtlichen Verfolgung die Steuern für die letzten 10 Jahre fordern.

Nochmal als Einschätzung:
Das Microjobbing ist mittlerweile den Kinderschuhe und der Niedlichkeit der Startups entwachsen! Die Firmen geben viel Geld aus (die Konzerne als Auftraggeber, die Agenturen als Anbieter von Microjobbing etc) und setzen dieses Geld als Betriebsausgabe ab. Das mindert deren Steuern. Unter dem Deckmäntelchen des "Taschengelds im Vorbeigehen" (Zitat Streetspotr) werden diese steuermindernden Betriebsausgaben an ahnungslose Geringverdiener verteilt. Denen nicht bewusst ist, dass sie per gesetzlicher Definition Gewerbetreibende sind mit allen zugehörigen steuerlichen Verpflichtungen und dass ihnen - entsprechende Steuerzahlung vorausgesetzt - vom kargen Einkommen am Ende des Jahres noch weniger übrigbleibt als ohneschon nur gezahlt wird.

Und es gibt noch weitere denkbare Konstellationen außer der Steuer und dem Finanzamt, bei denen das vermeintlich harmlose "Microjobbing-Taschengeld" zu bösen Überraschungen führen kann: Wer noch Schüler oder in Ausbildung ist und Kindergeld erhält, darf nicht beliebig hinzuverdienen. Es droht ggf. die Rückzahlung des Kindergelds für ein ganzes Jahr. Wer BAFöG erhält, hat ebenfalls Hinzuverdienstgrenzen zu beachten, ebenso beim ALG I, beim ALG 2, bei der Rente, beim Wohngeld etc. pp.
Wer eine dieser Leistungen bezieht und das Einkommen aus Microjobbing nicht angibt, begeht in der Regel eine Ordnungswidrigkeit mit der Folge einer Geldbuße, Rückzahlung etc.

Ins Fäustchen lachen sich dagegen die Konzerne und Herstellerunternehmen. Sie erhalten wertvollste Informationen und umfangreiche Daten zu sehr geringen Kosten.
Mit in die Verantwortung nehmen würde ich die Agenturen, denn sie klären die Microjobber in der Regel gar nicht über die "Nebenwirkungen" eines regelmäßigen Microjobbings auf. Und die Agenturen wollen sehr wohl regelmäßige Teilnahme! Der "spontane und sporadische Job im Vorbeigehen" ist eine Legende, eine Miese Ausrede. Die Agenturen wollen sich damit aus der Verantwortung herausreden. Denn von der Regelmäßigkeit der Aufträge leben sie und warum würde es sonst die ganze Gamification mit Punkten, Highscores und Abzeichen geben, wenn sie nicht dazu dienen soll, die Microjobber bei der Stange zu halten?

So, genug der Sozialkritik ;) Weiter geht's.

Microjobs sind doch dann bei der Anlage Sonderausgaben anzugeben.
Die Einnahmen und die Ausgaben des Microjobbings sind in der Anlage EÜR (Einnahmen-Überschuss-Rechnung) zu erfassen. Sonderausgaben(!) sind etwas ganze anderes, zB Versicherungen und sowas.
Aber müsste man dann nicht eigentlich auch Fahrtkosten etc gegenrechnen, wenn man das schon angibt und dann bleibt ja auch nicht mehr viel übrig an Gewinn... Gerade wenn man Spots gemacht hat, die weiter weg sind und hohe Fahrtkosten hat.
Du hast es erfasst. :) Microjobbing ist mies bezahlt, deckt kaum die Kosten und wenn man es mal richtig durchrechnet ist es frustrierend und macht wütend auf die Agenturen, die nur lächerliche Kleinbeträge für teilweise anstrengende Arbeit bezahlen.
Und ja, den Einnahmen stehen diese Ausgaben gegenüber. Kilometergeld, Handykosten, Telefonkosten, ggf Kosten für Porto, Papier, Stifte etc.

Oder zählen die Einnahmen die man bei Microjobs bekommt eigetnlich nur als Aufwandsentschädigung und müssen deshalb nciht unbedingt bei der Steuer angegeben werden.
Die Einnahmen müssen nach meiner Auffassung zwingend bei der Steuererklärung angegeben werden, weil man ansonsten eine Steuerhinterziehung betreibt und sich strafbar machen könnte.

Das nächste Problem ist ja, dass man nicht unbedingt bei allen Apps nachweise bekommtn, wie viel und was man in einem Jahr erledigt hat.
Ja, das ist problematisch. Allerdings ist es leider DEIN Problem. Denn das Finanzamt sieht deine Einnahmen auf dem Girokonto und auf dem PayPal-Konto. Der Nachweis, welche Kosten du hattest, ist deine Sache. Deshalb bieten auch die wenigsten Anbieter das an. Es ist ihnen total egal. Denn sie haben keinen Vorteil davon, nur Kosten für die Programmierung. Die entstehenden Probleme liegen ausschließlich in deinem Bereich.
Auch ich finde es unfair, dass die Anbieter größtenteils keine qualifizierten Nachweise oder anderen Belege ausstellen. Ich finde, das sollte in den Code of Condcut, die Selbstverplichtung für Anbieter, als Verpflichtung aufgenommen werden.
Solange muss sich jeder Microjobber selbst Notizen machen. Ich zB pflege meinen Google Kalender und trage für das Microjobbing ein, wann ich wohin gefahren bin und warum und wieviel km ich verfahren habe. Anfangs war es nervig, inzwischen ist es Routine.

Ich find das alles echt kompliziert anzgeben ^^
Das liegt daran, dass die Regeln rund um das Microjobbing im Grunde dieselben sind, wie sie auch für einen normalen Gewerbetreibenden gelten. Es kommt auf die Höhe der erhaltenen Einnahmen nicht an. Bei sehr niedrigen Einnahmen wie beim Microjobbing typisch kommt dann schnell die Idee auf, "das lohnt nicht den Aufwand". Was im Prinzip richtig ist. Ein normaler Gewerbetreibender mit Laden, Firma etc hat in der Regel einen Steuerberater. Das dürfte beim Microjobbing unmöglich sein zu zahlen.

Was wiederum entlarvend ist, wie schlecht hier eigentlich wertvolle Arbeit bezahlt wird!

vielen Dank für deine ausführliche SChilderung :) Klingt auch alles schlüssig für mich, wenn du es so sagst. Ich habe auch eine Excelliste mit den Microjob-Aufträgen, finde es trotzdem sehr blöd gemacht, dass man von den einzelnen Apps keine Nachweise bekommt.
Die Aufträge, die mir abgelehnt wurden, habe ich zb nicht immer mit drin, obwohl mir da ja trotzdem Fahrtkosten entstanden sind.

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