Gewerbe oder nicht Gewerbe?

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mobilfoto
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Gewerbe oder nicht Gewerbe?

Beitrag von mobilfoto » 08 Dez 2016, 17:15

Einkunftsart?
Die Einkunftsart "Microjobbing" ist auch für die Finanzämter neu. Jedes Finanzamt bzw. jede Finanzdirektion entscheidet derzeit noch selbständig, in welche Kategorie die Einkünfte fallen.
Allerdings gibt es augenscheinlich eine Tendenz, die Einkünfte aus dem Microjobbing als "Einkünfte aus Gewerbebetrieb" einzustufen. Damit wäre jeder Microjobber ein Gewerbetreibender. Dies hat zur Folge, dass beim zuständigen Landkreis oder Stadt ein Gewerbe angemeldet werden muss. Man erhält dann den bekannten "Gewerbeschein". Beim Antrag wird man in der Regel angeben, dass man das Gewerbe nebenberuflich ausübt und die sogenannte Kleinunternehmerregelung ohne Umsatzsteuer wählt.
Bei Wikipedia gibt es eine Übersicht, was es mit den Einkünften aus Gewerbebetrieb auf sich hat. https://de.wikipedia.org/wiki/Eink%C3%B ... utschland)

Andere Aufträge als nur Fotos
Könnte man bei dem "normalen" Microjobbing noch darauf bestehen, dass die Tätigkeit eher dem Fotojournalisten oder dem Marktforscher ähnelt (mit der Folge, dass man eben kein Gewerbetreibender sondern ein Freiberufler wäre und kein Gewerbe anmelden muss), so ist dies spätestens dann vorbei, wenn man für die Microjobbing-Agenturen auch Dienstleistungen ausführt, die über die reine textliche oder fotografische Datenerfassung im Markt hinausgehen.
appJobber bietet seit einiger Zeit an, Werbematerialien vor Ort auszutauschen. Das ist kein Microjobing mehr, das ist eine Dienstleistung. Roamler hat etwas ähnliches angekündigt, wobei mir aber nicht bekannt ist, ob solche Aufträge dort tatsächlich verfügbar sind. Und Streetspotr hat diese Woche eine Erhebung unter seinen Spottern gestartet, wer zu solchen Aufträgen bereit und in der Lage ist.

Sobald also auch nur ein einziger Dienstleistungsauftrag dieser Art (Regalpflege, Aufbau eines Displays, Warenbestückung etc) in einem Jahr erledigt wird, ist es mit dem Freiberuflerdasein als Fotojournalist oder Marktforscher vorbei. Denn in Deutschland gilt die sogenannten Abfärbetheorie, auch Tintenkleckstheorie genannt (https://de.wikipedia.org/wiki/Abf%C3%A4rbetheorie). Ein einziger - in der Relation zu der ansonsten freiberuflichen Tätigkeit - gewerblicher Auftrag reicht aus, um die gesamten Einkünfte als Einkünfte aus Gewerbebetrieb zu deklarieren. Mit der Folge des Zwangs zur Gewerbeanmeldung.

Das Finanzamt meint es ernst
Die nicht rechtzeitige, nicht vollständige oder gar nicht erfolgte Angaben von Einnahmen ist in Deutschland eine sogenannte Steuerverkürzung oder eine Steuerhinterziehung. Also strafbar oder mit Bußgeld verfolgt. Einnahmen sind aber dem ersten Euro anzugeben, eine Geringfügigkeitsgrenze, Kleinbetragsregelung, ist-doch-nur-so-wenig-Grenze gibt es nicht.

Woher weiß das Finanzamt von meinen Einnahmen?
Jedes Unternehmen in Deutschland wird in regelmäßigen Abständen von seinem zuständigen Finanzamt überprüft. Das nennt man Betriebsprüfung (https://de.wikipedia.org/wiki/Au%C3%9Fenpr%C3%BCfung). Dabei kommt ein Prüfer das Finanzamt in das Unternehmen und prüft die Buchführung. Er schaut sich also alle ein- und ausgegangenen Rechnungen und auch alle Kontoauszüge an. Dabei hat der Prüfer die Möglichkeit, sogenannte Kontrollmitteilungen zu erstellen (https://de.wikipedia.org/wiki/Kontrollmitteilung). Das bedeutet, er teilt einem anderen Finanzamt irgendwo in Deutschland mit, dass diese Firma, die er gerade überprüft, Geld an eine andere Firma oder Person irgendwo in Deutschland gezahlt hat. Und er bittet das dortige Finanzamt um die Prüfung, ob das erhaltene Geld auch dem Finanzamt bekannt ist.
Wenn also der Microjobbing-Anbieter XYZ in München von seinem Finanzamt geprüft wird, stellt der Finanzamtsprüfer fest, das der Microjobbing-Anbieter XYZ im Jahr 2014 insgesamt an 3.200 Microjobber Geld ausgezahlt hat. Der Finanzamtsprüfer wird sich dann eine Kopie der Microjobber-Datei ziehen und von seinem Finanzamtscomputer in München für jeden einzelnen Microjobber heraussuchen lassen, welches Finanzamt für diesen zuständig ist. Die dafür notwendigen Programme sind seit Jahren Standard und die Auswertung dauert nur Minuten. Dann wird er über das bundesweite System der Finanzamtscomputer an jedes einzelne der betroffenen Finanzämter die schon genannte "Kontrollmitteilung" versenden. Darin sind die Daten des Microjobbers aufgeführt und auch der Betrag, den dieser von dem Microjobbing-Anbieter XYZ erhalten hat. Das Finanzamt am Wohnort des Microjobbers schaut dann in seinen Computer, ob der Microjobber für das Jahr 2014 den erhaltenen Betrag in seiner Steuererklärung angegeben hat. Ist das der Fall, wird der Vorgang geschlossen. Ist das nicht der Fall, wird der Vorgang zu einem Anfangsverdacht der Steuerhinterziehung überführt.

Weil die Betriebsprüfungen in der Regel alle 3 Jahre stattfinden, spielen sich die Vorgänge meist in der Vergangenheit ab. Da gibt es also nichts mehr "zu reparieren" oder "nachzumelden". Und meist erfährt man von der Prüfung überhaupt erst, wenn das Kind schon sehr tief in den Brunnen gefallen ist.

Es gibt zu der ordnungsgemäßen Mitteilung der Einkünfte an das Finanzamt ab dem ersten Euro keine Alternative!
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Sascha
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Re: Gewerbe oder nicht Gewerbe?

Beitrag von Sascha » 10 Dez 2016, 11:40

Streetspotr brüstet sich ja gerne damit um die 400.000 Spotr zu haben. Nehmen wir mal an, dass davon nur 10% aktiv sind. Das währen dann 40.000 Spotr. Ist das vom Aufwand her überhaupt machbar, alle 40.000 Spotr zu überprüfen. Wenn ich mir vorstelle, dass da jeder einzelne an das zuständige Finanzamt gemeldet werden muss, wäre das aber ein immenser Aufwand.

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Re: Gewerbe oder nicht Gewerbe?

Beitrag von mobilfoto » 10 Dez 2016, 16:10

Wie bei jeder Firma. Streetspotr muss die Daten elektronisch dem Finanzamt zur Verfügung stellen. Dort werden sie ebenso elektronisch übermittelt an die Wohnsitzfinanzämter. Der Aufwand dürfte sich auf Filterkriterien und Knopfdruck beschränken.
Ich schätze 450.000 App-installationen nach Downloadzahlen Davon noch 3% dauerhaft installiert, die übliche Quote. Sind 13.500. Davon 10-15% regelmäßig aktiv, also 1.400-2500 grob geschätzt.
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Re: Gewerbe oder nicht Gewerbe?

Beitrag von flipper3040 » 10 Mär 2019, 10:14

Welche Art der Tätigkeit gebe ich bei der Gewerbeanmeldung an?

Datenerfassung ? Wie in einem anderen Thread erwähnt

Oder gibts da noch andere Umschreibungen?

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Re: Gewerbe oder nicht Gewerbe?

Beitrag von mobilfoto » 11 Mär 2019, 12:16

Bei der Gewerbemeldestelle gibt es eine Art von Tätigkeitskatalog. Es ist eigentlich Aufgabe des Sachbearbeiters, aus deiner Beschreibung herauszufinden, wie die Tätigkeit im Katalog benannt wird. Du selbst weißt es aber besser, also mach dem Mann bzw der Frau nicht das Leben schwer :-)
Ich tendiere zum Prinzip "keep it simple". Die "Datenerfassung" als Tätigkeit trifft es nach meiner Meinung am besten.
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